Handelsfinanzierung: Schritte in die richtige Richtung

Maßnahmen zur Verlangsamung der Covid19-Ausbreitung haben das weltweite Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten behindert. Im Bereich der Handelsfinanzierung können Lieferanten weltweit dennoch von einer breiten Produktauswahl zu attraktiven Preisen profitieren und auf bewährte Infrastrukturen zurückgreifen.

Die Digitalisierung wird dabei weiter fortschreiten, möglicherweise etwas langsamer, da die aktuelle Krise eventuell ein geringeres Investitionsvolumen zur Folge haben wird. 

Staaten und bestimmte Wirtschaftsbereiche wie beispielsweise der Hafensektor, das Verkehrs- und das Speditionswesen gehen mit gutem Beispiel voran. Von Asien kommen auch starke Digitalisierungsimpulse: Große E-Commerce-Plattformen aus China wollen internationale Handelsplattformen für Unternehmen aufbauen. Auf ihren Fersen folgen bedeutende skandinavische Konzerne wie Nokia, Volvo und Ericsson.

Herausforderungen im Fokus

Vor dem Hintergrund der ungewissen epidemiologischen Lage bleiben die Herausforderungen aus Sicht der Kunden unverändert und stimmen mit den von Banken identifizierten Problemfeldern überein. Im Fokus stehen hauptsächlich papierbasierte und manuelle Prozesse, die lange Bearbeitungszeiten und Sicherheitsprobleme verursachen, KYC (Know Your Client)- und KYS (Know Your Supplier)-Verfahren, Compliance-Anforderungen, Kommunikationsprobleme zwischen den beteiligten Parteien und nicht zuletzt auch die Data Governance (kurz gesagt: wer hat Einsicht in was). 


Die Digitalisierung kann bei zahlreichen Problemen Abhilfe schaffen, so kann sie z.B. Transaktionen sicherer machen, ein klarer Vorteil sowohl für Banken als auch für ihre Firmenkunden; die Kosteneffizienz bei der Dokumentenprüfung verbessern, wichtig im Kontext der Bemühungen, das Kern-Geschäftsmodell von Banken zu optimieren; Reporting-Tools in Echtzeit erwerben und entwickeln, zur Nachverfolgung und Rechnungslegung von Transaktionen; und die elektronische Identität sämtlicher Teilnehmer, die Dokumente erstellen und unterzeichnen, bestätigen, also den „digitalen Zwilling“ zertifizieren (d.h. eine digitale Abbildung einer bestehenden Maschine, eines bestehenden Prozesses oder einer bestehenden Organisation), um eine höhere Genauigkeit zu erzielen. 

Fortschritt zählt

Die Banken haben in vielen Bereichen bereits wichtige Fortschritte erzielt. Einige dieser Fortschritte sind auf den ersten Blick vielleicht nicht sofort sichtbar, dennoch stellen sie einen großen Schritt in die richtige Richtung dar. Dazu zählen zum Beispiel die Vorabprüfung von Dokumenten (für Compliance-Zwecke) mit Texterkennung (Optical Character Recognition) und maschinelles Lernen, ein Prozess, der Produktivitätsgewinne und zusätzliche Sicherheit bringt.

Überdies haben wir, Société Générale, in der Zeit von Covid-19 die weltweite Einführung der elektronischen Unterschrift für alle unsere Produkte des Global Transaction Banking sowie für sämtliche geografischen Regionen beschleunigt. Der umständliche Austausch von unterzeichneten Dokumenten per Post wurde dadurch stark reduziert.
 
Banken agieren bei Plattformen und Ökosystemen für die Schnelligkeit und Sicherheit von Transaktionen zunehmend ausgereifter und sind offen für die Zusammenarbeit mit Fintechs (beispielsweise hat we.trade eine Plattform für europäische kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) in Betrieb genommen).

Die nächste Phase

Wir sind der Auffassung, dass die nächste Phase darin bestehen wird, die Interoperabilität von Plattformen/Ökosystemen aller beteiligten Parteien beim Handel sowie die Konnektivität mit den ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning) von Unternehmen zu verbessern.
 
Immer mehr Länder und Unternehmen kommen dabei hinzu und spielen eine wichtige Rolle. Beispielsweise ist geplant, dass die EU-Verordnung über elektronische Frachtbeförderungsinformationen (eFTI) ab 21. August 2024 wirksam wird. Sie soll die Digitalisierung der Frachtbeförderung und der Logistikdienste fördern, um die Verwaltungskosten zu senken, die Möglichkeiten der zuständigen Behörden zur Durchsetzung zu verbessern und die Effizienz und die Nachhaltigkeit des Verkehrs zu optimieren.

Staaten wie Singapur, Hongkong und Dubai machen auch Fortschritte in dem Bereich und die Internationale Handelskammer (ICC) hat ihre eigenen Arbeiten zur Festlegung globaler Standards wieder aufgenommen, während Speditionsunternehmen diese über „Tradelens“ ebenfalls festlegen wollen. 

Fazit

Wir sind bereit, mit den neuen Kommunikationskanälen, die unsere Kunden entwickeln, zu arbeiten und entwickeln APIs, damit wir in der Lage sind, zu gegebener Zeit die Verbindung zu Unternehmensplattformen herzustellen.
 
Nach wie vor gibt es einige Hindernisse, vor allem im Zusammenhang mit der Identitätserkennung und dem Datenzugriff sowie der Data Governance. Es bleibt daher wichtig, das bislang erreichte Momentum weiter zu führen und nicht bei den Ideen und dem Konzeptnachweis Halt zu machen. Mit diesem Ziel vor Augen, kann der nächste Schritt in der Entwicklung von produktionsfertigen digitalen Handelslösungen bestehen. Diese sollten durch ein weitreichendes branchenübergreifendes Ökosystem unterstützt und zunächst von Pilotanwendern aus dem Unternehmens-, Banken- und Supply-Chain-Bereich genutzt werden.
 
Projekte wie beispielsweise we.trade, Marco Polo, Contour oder Trade Information Network haben sich in letzter Zeit weiter entwickelt und lassen immer mehr das ihnen zugrunde liegende Potenzial erkennen.   

Im nächsten Schritt wird es wichtig sein, Anwender vom Mehrwert dieser neuen Leistungen zu überzeugen. Auch wenn im Bereich der Digitalisierung von Lieferketten nicht unmittelbar alle Lücken geschlossen werden können, können die neuen Serviceangebote doch Firmen dabei helfen, ihren Kundenstamm zu erweitern und so kritische Größe zu erreichen.